Nicht stehenbleiben – Brief an den Sächsischen Staatsminister Roland Wöller zur Gründung einer Arbeitsgruppe

Mit dem Positionspapier und der Kampagne “Weil Kinder Zeit brauchen” hat sich die Liga der Freien Wohlfahrtspflege seit 2009 eindeutig für einen verbesserten Personalschlüssel, die Anerkennung der Vor- und Nachbereitung als Arbeitszeit, ein dichteres Netz der Fachberatung und eine Freistellung für Leitungsaufgaben in der Kita ausgesprochen. Zahlreiche soziale Einrichtungen und Elternvertretungen haben sich diesen Forderungen angeschlossen, um den Freistaat Sachsen aufzufordern, jetzt die Rahmenbedingungen für zukunftsfähige Kindertageseinrichtungen und eine chancenreiche frühkindliche Bildung zu stecken.

Vor diesem Hintergrund erging im Oktober ein Schreiben an Staatsminister Roland Wöller, in welchem die Liga der Freien Wohlfahrtspflege zur Einberufung einer Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus und Sport, den kommunalen Spitzenverbänden und den Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege in Sachsen, auffordert. Diese Arbeitsgruppe soll sich der Entwicklung der Rahmenbedingungen in den sächsischen Kindertageseinrichtungen widmen - auch nach Beschluss des Doppelhaushaltes 2011/2012.     

Den Brief der Liga der Freien Wohlfahrtspflege an Staatsminister Wöller sowie dessen Antwort können Sie sich nachfolgend als PDF herunterladen.

Brief an Staatsminister Roland Wöller
Antwort von Staatsminister Roland Wöller

„Es geht um die Zukunft unserer Kinder“

Aktion Perspektivwechsel thematisiert auch die Kita-Kampagne der Liga: Die Zwickauer Stadträtin Kathrin Köhler (CDU) im katholischen Kindergarten St. Nepomuk

Koehler_start_2

 „Wer hat die Kokosnuss geklaut …“, singen die Mädchen und Jungen der katholischen Kindertagesstätte St. Johann Nepomuk aus vollem Halse. Einige tanzen zu den Gitarrenklängen oder klatschen in die Hände. Mittendrin die Stadträtin Kathrin Köhler (CDU), die am 25. August für einen Tag ihren Schreibtisch verlassen hat, um an der Aktion Perspektivwechsel teilzunehmen. Für die Geschäftsführerin der CDU-Fraktion im Zwickauer Stadtrat eine wichtige Erfahrung, denn: “Im Alltagsgeschäft können wir nur schwer einschätzen, was in den Einrichtungen passiert. Für die politische Beurteilung ist das aber enorm wichtig“, sagt Frau Köhler. Selbst Kommunalpolitiker könnten sich kaum ein Bild machen, wie zum Beispiel die Situation  in den Kindertagesstätten sei. „Wenn sie nicht gerade im Sozialausschuss sitzen.“ In ihrer Fraktion wolle Frau Köhler darauf hinwirken, dass die Stadträte sich intensiv um Kontakte zu den sozialen Einrichtungen bemühen – besonders dann, wenn wichtige Entscheidungen anstehen.

Der Personalschlüssel reicht nicht aus

Sigrid Werner, Leiterin der Kindertagesstätte St. Johann Nepomuk in Zwickau, weiß, was die Einrichtungen dringend brauchen. „Vor allem einen besseren Personalschlüssel. Dabei geht es nicht nur um die Betreuung der Kinder, sondern auch um Urlaubs- und Ausfallzeiten bei den Mitarbeiterinnen und um Fortbildungen“, betont Frau Werner. Ganz wichtig sei die Berücksichtigung für Vor- und Nachbereitungen. Dafür wendeten die Erzieherinnen und Erzieher etwa 10 Prozent ihrer Arbeitszeit auf. „Vieles davon passiert in der Freizeit.“ Die Landesregierung müsse endlich auf die Hilferufe aus den Kindertagesstätten reagieren und die von den Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege geforderte Senkung des Personalschlüssels umsetzen. „Es geht nicht um uns, sondern um die Zukunft unserer Kinder“.

Für Kathrin Köhler gibt es noch Spielräume bei der effizienten Gestaltung der Kindertagesbetreuung. „Staatliche Anbieter und freie Träger könnten sich besser vernetzen und somit Kräfte bündeln“, meint die Politikerin. Dass sich die Personalsituation aus ihrer Sicht zumindest „einzelfallbezogen“ verbessern muss, hat sie bei der Aktion Perspektivwechsel jedoch deutlich gespürt.

Andreas Schuppert

„Längst überfällig“

Von Brandenburg lernen: Caritas fordert besseren Personalschlüssel auch in Sachsens Kitas

MitzscherlichDresden, 5. Juli 2010. Der Caritasverband im Bistum Dresden-Meißen hat die sächsische Landesregierung aufgefordert, dem Beispiel Brandenburgs zu folgen und den Personalschlüssel in den Kindertagesstätten des Freistaates zu senken. „Die Verbesserung der personellen Situation in den sächsischen Kindertageseinrichtungen ist längst überfällig“, sagte Caritasdirektor Matthias Mitzscherlich am Montag in Dresden. Der brandenburgische Landtag hat am 1. Juli mit den Stimmen der rot-roten Regierungskoalition, der CDU und der FDP die Senkung des Personalschlüssels von 1:7 auf 1:6 bei den unter dreijährigen und von 1:13 auf 1:12 bei den über dreijährigen Kindern beschlossen. Allein die Abgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen verweigerten sich dem neuen Gesetz.

„Die sächsische Regierung sollte endlich ein neues Kita-Gesetz auf den Weg bringen, das eine zukunftsfähige frühkindliche Bildung auch in Sachsen garantiert“, so Matthias Mitzscherlich. „Davon sind wir heute noch weit entfernt.“ Der Caritasdirektor rief zudem die sächsische FDP auf, ihre Wahlversprechen einzulösen und sich für eine Verbesserung der personellen Situation einzusetzen. Die Liberalen hätten als Oppositionspartei immer wieder einen besseren Personalsschlüssel in den Kindertagesstätten gefordert und auf die Wichtigkeit der frühkindlichen Bildung in Sachsen hingewiesen. 

Gesetzesänderung erst nach massiven Protesten

Das neue  Kita-Gesetz in Brandenburg ist allerdings erst nach massiven Protesten von Eltern, Erziehern und Wohlfahrtsverbänden zustande gekommen. Auch in Sachsen gibt es seit fast einen Jahr die Initiative der Wohlfahrtsverbände „Weil Kinder Zeit brauchen – Für einen besseren Personalschlüssel in Sachsen Kitas“, der sich zahlreiche Elternvertretungen und Einrichtungen angeschlossen haben. „Wenn unsere Einrichtungen den anspruchsvollen sächsischen Bildungsplan umsetzen sollen, brauchen sie eine bessere personelle Ausstattung. Die jetzigen Ressourcen reichen nicht aus“, sagte Matthias Mitzscherlich.

Was (junge) Weltentdecker brauchen – Gute Rahmenbedingungen und zeitgemäße Bildungskonzepte

Präsentation von Prof. Dr. mult. Dr. h. c. mult. Wassilios E. Fthenakis jetzt online!

Freie Universität Bozen, Fakultät für Bildungswissenschaften, Universität Bremen

Seine These: Bildungssysteme stehen vor der größten Herausforderung ihrer Geschichte. Der Transformationsprozess von der sogenannten Moderne zur Postmoderne verlangt einen entsprechenden Transformationsprozess im Bildungsbereich. Dieser hat bisher zu lange auf sich warten lassen. Gerade in Deutschland.

Ansätze zur angepassten Veränderung im zentralen frühkindlichen Bereich stellt Fthenakis mit dem Ansatz der Ko-Konstruktion vor. Ko-Konstruktion bedeutet, dass Lernen durch Zusammenarbeit stattfindet. Lernprozesse werden von Kindern und Fachkräften gemeinsam konstruiert.

Ein Ansatz der zeigt, wie wichtig ein guter Betreuungsschlüssel für den Bildungserfolg ist.

Präsentation zum Liga-Fachtag „Was Weltentdecker brauchen“ am 19. Juni im Dresdner Hygienmuseum.

Download im pdf-Format.

Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege fordern bessere Bedingungen in den sächsischen Kitas

Thema zum Liga-Fachtag “Was Weltentdecker brauchen”: eine deutliche Verbesserung des Personalschlüssels in den Kindertagesstätten des Freistaates.

AAfthenakisDie derzeitige Liga-Vorsitzende und Geschäftsführerin des Paritätischen in Sachsen, Beate Henning, rief während einer Fachtagung zur frühkindlichen Bildung am 19. Juni in Dresden auf, sich für das Thema der Betreuungssituation in den sächsischen Kitas stark zu machen. Finanzpolitische Aspekte dürften nicht die Zukunft der Kinder gefährden und „alleiniges Maß des Handelns“ sein. Die Liga engagiert sich seit August vergangenen Jahres mit der Kampagne „Weil Kinder Zeit brauchen – für einen besseren Personalschlüssel in Sachsens Kitas!“ Die Kampagne fordert unter anderem eine deutlich bessere personelle Ausstattung der sächsischen Kindertagesstätten.

Auch der Bozener Entwicklungspsychologe Wassilos E. Fthenakis sprach sich für eine Verbesserung des Personalschlüssels aus. Zum anderen sei aber auch eine Anpassung der Ausbildung notwendig. Auch wenn Sachsen mit dem Bildungsplan bereits einen richtigen Weg eingeschlagen habe, seien die Schritte zu klein. Man müsse aufpassen, dass man langfristig nicht ins Hintertreffen gerate.

Auf der Konferenz mit 130 Erzieherinnen und Erziehern kritisierte Fthenakis das deutsche Bildungssystem. Es orientiere sich noch immer am Bildungsmuster der Industriegesellschaft und trage somit den Anforderungen des 21. Jahrhunderts nicht Rechnung. Dies spiegle sich auch in der finanziellen Ausstattung der einzelnen Bildungsbereiche wieder, bei der die frühkindliche Bildung hinter der schulischen zurückliegt.

AA SchlüsselArnfried Schlosser vom sächsischen Kultusministerium unterstrich den sächsischen Bildungsplan als wichtiges Element zur Entwicklung des Bildungssystems in Sachsen. Durch die Evaluation der Ergebnisse aus den vergangenen Jahren arbeite man stets an dessen Weiterwicklung. Der sozialpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Alexander Krauß, betonte, dass auf Grund der Haushaltslage im Freistaat die Handlungsmöglichkeiten einschränkt seien. Er lobte jedoch die Kita-Kampagne als gelungenes Mittel, um allen Landtagsabgeordneten die Bedeutung des Betreuungsschlüssels nahe zu bringen.  Die Zwickauer Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) betonte die Notwendigkeit, dass die Kommunen als starke Steuerungseinheiten im Bereich der frühkindlichen Bildung auftreten müssen. Sie sprach sich für eine angemessene finanzielle Ausstattung aus, damit man dieser Aufgabe auch nachkommen könne.

Was Weltentdecker brauchen

weltentdeckerDie Liga der Freien Wohlfahrtsverbände veranstaltet am 19. Juni 2010 im Dresdner Hygienemuseum einen Fachtag zum Thema „Was Weltentdecker brauchen – Rahmenbedingungen frühkindlicher Bildung. Für einen besseren Personalschlüssel in Sachsens Kitas“. Damit möchte die Liga das Anliegen der Kampagne “Weil Kinder Zeit brauchen” weiterhin thematisieren und transparent machen.

Am Vormittag spricht Prof. Dr. Dr. Dr. Fthenakis von der Freien Universität Bozen zu den „Rahmenbedingungen frühkindlicher Bildung“. Anschließend haben die Besucher Gelegenheit, mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft, der Freien Wohlfahrtspflege, Eltern und Kindertageseinrichtungen in einem Podiumsgespräch zu diskutieren.

Am Nachmittag wird ein “Bildungsjahrmarkt” veranstaltet, an dem frühkindliches spielerisches Lernen „anfassbar“ und erlebbar gemacht wird. Die Veranstaltung ist eine gemeinsame Initiative der Liga, der Elternbeiräte Dresdens, Leipzigs und Chemnitz’ und des Bildungsverlags EINS.

Wir laden Sie dazu herzlich ein. Hier geht’s zum Einladungsflyer.

Aktionswoche „In der Kita brennt noch Licht“ im Landkreis Görlitz

logoDie Kampagne der Liga der Wohlfahrtsverbände in Sachsen erhebt die Forderung “Mehr Zeit für Qualität”. Spielerisches Lernen muss gut vorbereitet sein. Erzieher/innen benötigen nicht zuletzt zur Umsetzung des Sächsischen Bildungsplanes genügend Vor- und Nachbereitungszeit, damit Projekte und Exkursionen gelingen und die Kinder davon wirklich profitieren.

In einer landkreisweiten Aktion wollen die Kindertageseinrichtungen der Wohlfahrtsverbände in der Woche vom 22.03.2010 bis 26.03.2010 unter dem Motto In der Kita brennt noch Licht öffentlich erlebbar und erfahrbar machen, was die Forderung nach geregelter Vor- und Nachbereitungszeit beinhaltet.

In den Kitas (Übersicht) werden in einem Zeitraum von zwei Stunden nach der Schließung der Einrichtung unter anderem Projekte vorbereitet, Bildungs- und Lerngeschichten geschrieben, Dokumentationen angefertigt und, und, und … In dieser Zeit wird genau das erledigt, was per Gesetz sowie im Sächsischen Bildungsplan von den Fachkräften gefordert wird, wofür jedoch momentan keine Zeit im Personalschlüssel vorhanden ist.

Zu diesen Aktionszeiten werden Landtagsabgeordnete und Mitglieder der Stadt- und Gemeinderäte aber auch Eltern und Interessierte eingeladen. Die Erzieherinnen und Erzieher diskutieren mit ihnen, weshalb diese Aufgaben pädagogischer Fachkräfte im Personalschlüssel in Form von zusätzlicher Zeit verankert sein müssen. Mit dieser Aktion soll erreicht werden, dass pädagogische Arbeit für alle die, die darüber zu entscheiden haben begreifbar und erlebbar wird.

Pressestimmen: Sächsische Zeitung Görlitz, 20. 03.2010 und Sächsische Zeitung Görlitz, 23.03.2010

 Page 1 of 6  1  2  3  4  5 » ...  Last » 

Related Sites

Archives