Milchmädchenrechnung zum Kita-Betreuungsschlüssel

Wohlfahrtsverbände kritisieren falsche Interpretation der Zahlen des Statistischen Landesamts

logo(Dresden, 25.11.2009) Die sächsischen Wohlfahrtsverbände wenden sich gegen missverständliche Interpretation der gestern veröffentlichten Zahlen des Statistischen Landesamtes zur Betreuungssituation in Kindertageseinrichtungen. Nach der Verlautbarung, wonach zum Stichtag 1. März 2009 in Sachsen 245 000 Kinder in Kitas betreut wurden, in denen insgesamt 22 860 Erzieherinnen und Erziehern angestellt seien, meldeten Nachrichtenagenturen und Zeitungen, eine rechnerische „Durchschnittsbetreuung“ von 11 Kindern je Erziehungsperson.

„Es betreut eben nicht jede Erzieherin im Schnitt elf Kinder“, äußert sich der Vorsitzende der Liga der Wohlfahrtsverbände und Caritasdirektor im Bistum Dresden-Meißen, Matthias Mitzscherlich. Die Anzahl der betreuten Kinder einfach durch die Anzahl der im Freistaat als Erzieherinnen und Erzieher angestellten Personen zu teilen und dies für den tatsächlichen Betreuungsschlüssel zu halten, sei eine Milchmädchenrechnung, die nicht aufginge. „Diese Zahlen berücksichtigen nicht, dass Arbeitszeit für Dokumentation, Elterngespräche sowie Vor- und Nachbereitung geleistet wird. Schwerwiegender noch wirken die Urlaubs- und Krankheitszeiten – immerhin fehlt eine Fachkraft ein knappes Fünftel des Jahres.“

Die Tatsache, dass die meisten Erzieherinnen teilzeitbeschäftigt sind, und dass nach den Betreuungsarten Krippe, Kindergarten und Hort unterschieden werden muss, mache ein einfaches „Köpfezählen“ zudem noch irreführender.

„Derartige Statistiken verkennen die Realität“, so Mitzscherlich: „Faktisch betreut eine Erzieherin bis zu 17 Drei- bis Sechsjährige und kann unter diesen Umständen die zu Recht hohen Anforderungen des Sächsischen Bildungsplans nicht ausreichend erfüllen. Das zu verändern ist die gesellschaftliche und politische Herausforderung.“

Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Deutsches Rote Kreuz, Diakonisches Werk, der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband sowie die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland als Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege führen seit August die Kampagne „Weil Kinder Zeit brauchen“ durch, um Druck für mehr Fachpersonal an Kitas zu machen. Aktuell wird jedem der 125 demokratischen Landtagsabgeordneten persönlich bei einem Kita-Besuch ein goldener Schlüssel überreicht, um darauf hin zu weisen, dass die Politiker mit der Verbesserung der Betreuungsrelation einen „Schlüssel für Sachsens Zukunft“ in Händen halten.

Bezugsartikel der DNN/LVZ vom 25.11.2009

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