„Es geht um die Zukunft unserer Kinder“
Aktion Perspektivwechsel thematisiert auch die Kita-Kampagne der Liga: Die Zwickauer Stadträtin Kathrin Köhler (CDU) im katholischen Kindergarten St. Nepomuk
 „Wer hat die Kokosnuss geklaut …“, singen die Mädchen und Jungen der katholischen Kindertagesstätte St. Johann Nepomuk aus vollem Halse. Einige tanzen zu den Gitarrenklängen oder klatschen in die Hände. Mittendrin die Stadträtin Kathrin Köhler (CDU), die am 25. August für einen Tag ihren Schreibtisch verlassen hat, um an der Aktion Perspektivwechsel teilzunehmen. Für die Geschäftsführerin der CDU-Fraktion im Zwickauer Stadtrat eine wichtige Erfahrung, denn: “Im Alltagsgeschäft können wir nur schwer einschätzen, was in den Einrichtungen passiert. Für die politische Beurteilung ist das aber enorm wichtig“, sagt Frau Köhler. Selbst Kommunalpolitiker könnten sich kaum ein Bild machen, wie zum Beispiel die Situation in den Kindertagesstätten sei. „Wenn sie nicht gerade im Sozialausschuss sitzen.“ In ihrer Fraktion wolle Frau Köhler darauf hinwirken, dass die Stadträte sich intensiv um Kontakte zu den sozialen Einrichtungen bemühen – besonders dann, wenn wichtige Entscheidungen anstehen.
Der Personalschlüssel reicht nicht aus
Sigrid Werner, Leiterin der Kindertagesstätte St. Johann Nepomuk in Zwickau, weiß, was die Einrichtungen dringend brauchen. „Vor allem einen besseren Personalschlüssel. Dabei geht es nicht nur um die Betreuung der Kinder, sondern auch um Urlaubs- und Ausfallzeiten bei den Mitarbeiterinnen und um Fortbildungen“, betont Frau Werner. Ganz wichtig sei die Berücksichtigung für Vor- und Nachbereitungen. Dafür wendeten die Erzieherinnen und Erzieher etwa 10 Prozent ihrer Arbeitszeit auf. „Vieles davon passiert in der Freizeit.“ Die Landesregierung müsse endlich auf die Hilferufe aus den Kindertagesstätten reagieren und die von den Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege geforderte Senkung des Personalschlüssels umsetzen. „Es geht nicht um uns, sondern um die Zukunft unserer Kinder“.
Für Kathrin Köhler gibt es noch Spielräume bei der effizienten Gestaltung der Kindertagesbetreuung. „Staatliche Anbieter und freie Träger könnten sich besser vernetzen und somit Kräfte bündeln“, meint die Politikerin. Dass sich die Personalsituation aus ihrer Sicht zumindest „einzelfallbezogen“ verbessern muss, hat sie bei der Aktion Perspektivwechsel jedoch deutlich gespürt.
Andreas Schuppert

