„Mehr Zeit für Luna“

Die Uhren ticken – Kampagne fordert erneut bessere Bedingungen für Sachsens Kitas

von Andreas Schuppert

Dresden. Keine Zeit fürs Spielen, fürs Trösten, für Zuwendung. Die Uhren in den sächsischen Kitas ticken gegen Kinder und Erzieher. Zu wenig Personal, zu wenig Fortbildungen und immer an der Grenze des Möglichen. Mit einer spektakulären Aktion vor dem sächsischen Kultusministerium am 25. Oktober haben die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege, Stadtelternbeiräte und Gewerkschaften erneut Alarm geschlagen und auf die Situation in den sächsischen Kindertagesstätten aufmerksam gemacht. Video

„Mehr Zeit für Luna, mehr Zeit zum Spielen draußen“, steht auf einer der rund 500 von Kindern gebastelten Uhren, die an diesem Morgen vor dem Kultusministerium angebracht werden. „Wir haben es aus Zeitgründen nicht ganz geschafft, diese Uhr fertig zu machen“, heißt es auf einer anderen. Eltern, Erzieher und Verbände in Sachsen fordern seit Jahren eine Verbesserung des Personals in den Kindertageseinrichtungen, Zeit für Vor- und Nachbereitung, Zeit für Fortbildungen, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Und seit Jahren fordern sie dies vergebens. Die Kampagne „Weil Kinder Zeit brauchen“ haben die Verbände der freien Wohlfahrtspflege zusammen mit Eltern und Gewerkschaften deshalb im vergangenen Jahr neu aufgelegt.

„Wir haben einen anspruchsvollen sächsischen Bildungsplan, den es schon seit 2007 gibt, den wir aber nicht umsetzen können“, sagt AWO-Sprecherin und Kampagnenchefin Ines Vogel. Für die Vorbereitung und Nachbereitung sei zum Beispiel nicht eine Stunde vorgesehen. „Wir haben eine Situation, in der die Rahmenbedingungen nicht stimmen, um eine wirklich gute Bildung in den sächsischen Kitas zu haben“.

Ähnlich argumentiert der stellvertretende Landesvorsitzende der Gewerkschaften Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Sachsen, Lutz Stephan. „Wir kämpfen seit Jahren gemeinsam mit Eltern, Erziehern und unseren Partnern für eine Verbesserung, ohne dass sich etwas bewegt hätte“, sagt Stephan. „Unsere Fachkräfte leisten monatlich 500.000 Arbeitsstunden unentgeltlich, um den sächsischen Bildungsplan umzusetzen. Das macht uns sehr unzufrieden.“

In den Einrichtungen der Kinderbetreuung ist dies spürbar. Zum Beispiel durch einen hohen Krankenstand, wie Ursula Wartala, Referentin für Kindertagestätten beim Caritasverband für das Bistum Dresden-Meißen, berichtet. Dennoch wollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre anspruchsvolle pädagogische Aufgabe erfüllen. Ein erster, entscheidender Schritt könne die Verbesserung der Vor- und Nachbereitungszeiten sein.

Verbände, Eltern und Gewerkschaften wollen für bessere Bedingungen in den Kindertageseinrichtungen weiterkämpfen. Sie hoffen jetzt vor allem auch auf Berücksichtigung ihrer Anliegen im neuen sächsischen Doppelhaushalt.

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