Staatsministerin für Kultus Brunhild Kurth im Gespräch mit Kitaleitungen in Breitenbrunn

Autorin: Ute Ulrichsohn

Am 07.09.2016, traf sich durch die Initiative von MdL Alexander Krauß unsere Staatsministerin für Kultus mit etwa 40 Vertreterinnen und Vertretern von Kitaleitungen des Erzgebirgskreises in Breitenbrunn zum gemeinsamen Gespräch an der Kaffeetafel. Vorher besuchte die Ministerin den Hort in Breitenbrunn (DKSB KV Aue/SZB e.V.).

Nachdem MdL Krauß Frau Kurth begrüßt hatte und das Wort der Ministerin übergab, nutzte diese die Gelegenheit, um sich zuerst wertschätzend über die Arbeit der Kitaleitungen auszusprechen. Wobei gleich zu Anfang von Frau Kurth eingeräumt wurde: „Klar ist natürlich, dass nicht alle Wünsche erfüllt sind und werden“ und dass das derzeit vorherrschende Thema ihres Ministeriums des Lehrermangels sei. Aus diesem Grund sei sie dankbar, einmal in einer Runde zu einem anderem Schwerpunkt sprechen zu können. Der vorschulische Bereich käme zu kurz, das Fundament einer Bildungsbiografie würde im Elementarbereich gelegt, so betonte sie in den eröffnenden Worten. An die Kitas seien in den letzten Jahren immer höhere Erwartungen herangetragen worden. „Kita-Leitung“ bedeute eine hohe Verantwortung und Führung brauche Zeit.

Die Ministerin ermutigte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gesprächsrunde, ihre Anliegen offen und ehrlich zu äußern. Dies nahmen etliche der anwesenden Kita-Leitungen auf. Zur Sprache kamen die Probleme von Urlaubs- und Krankheitsvertretungen, Abwesenheit der Erzieherinnen bei den Fortbildungen. Die Leiterinnen und Leiter äußern den Wunsch nach Personalpuffern, um Engpässe in der Betreuung zu vermeiden und um selbst ihre Leitungsaufgaben wahrnehmen zu können. Die Führungskräfte verdeutlichen die fehlende Vor- und Nachbereitungszeit für Planung, Dokumentation, Eltern- und Gremienarbeit. Die Ausbildung von angehenden SozialassistentInnen und ErzieherInnen gestalte sich oft als das fünfte Rad am Wagen und die Auszubildenden liefen zu oft nur mit, da die notwendige Zeit zur Auswertung und Reflexion fehle. Die pädagogischen Fachkräfte berichteten über die intensiven zeitlichen Bedarfe bei der Begleitung von Migrationsfamilien. Eine weitere Leiterin äußerte: „Wo steht der Hort, der bei den aktuellen minimalen Verbesserungen überhaupt nicht bedacht wurde?“

Die Ministerin zeigte sich als interessierte Zuhörerin. Dabei formulierte Sie als Ziel, den Personalschlüssel weiter verbessern zu wollen, man dabei jedoch über Geld sprechen müsse. Schließzeiten und Erhöhung der Elternbeiträge sollten vermieden werden. Frau Kurth wolle die Probleme wegen der Krankheits- und Urlaubsvertretungen mit nach Dresden nehmen, sich jedoch noch ein genaueres Bild von ganz Sachsen machen. In diesem Zusammenhang erhielt Frau Kurth den Hinweis auf die bereits 2008 von Pädquis angefertigte Studie zu Evaluierung der Personalausstattung in Sachsens Kitas durch Prof. Tietze. Die Vor- und Nachbereitungszeit sei eine Sache der Träger, so die Ministerin. Sie setze auf Eigenverantwortlichkeit. Jedoch betonten die Verantwortlichen aus den Kitas nochmals die Notwendigkeit von weiteren Verbesserungen der Erzieher-Kind-Relation und die Anerkennung der „mittelbaren Zeit“ ohne Kinderkontakt für die Vor- und Nachbereitung auf gesetzlicher Grundlage. Die Eingeladenen äußerten ihre Enttäuschung über das bisherige Tempo der Nachbesserungen und machten deutlich, welche Auswirkungen es wohl haben würde, wenn alle Kitas gleichzeitig in den Ausstand gehen würden, um auf die Missstände aufmerksam zu machen. Allen war klar, dass die Kindertagesstätten nicht nur im System der Bildung sondern auch in Bezug auf die Verfügbarkeit der Eltern als Arbeitskraft großen Einfluss nehmen könnten.

Auf die inhaltliche Frage zur Notwendigkeit, Ausgestaltung und Umfang der Dokumentation der pädagogischen Arbeit gab eine Leiterin Auskunft über Sinn und Zweck einer professionell erstellten Bildungsdokumentation. Sie äußerte ihre Verwirrung über Reaktionen des Kultusministeriums auf einen Schließtag in ihrer Einrichtung.

Als Teilnehmende frage ich mich am Ende: „Wo steht unsere Ministerin?“ Einerseits zeigte Sie Interesse und äußerte Anerkennung der geleisteten Arbeit, um im gleichen Atemzug aufkeimende Hoffnungen auf grundlegende Entlastungen in frühkindlichen Arbeitsbereich gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Wir dürfen gespannt bleiben, wie der Finanzminister diese Botschaften aufnimmt und ob es unserer sächsischen Regierung ein spürbares Anliegen ist, das Auswachsen in Chancengleichheit in unserem Bundesland zu unterstützen.

Einen Bericht der FREIEN PRESSE zu diesem Termin lesen Sie hier.

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