Vertreterinnen der Volkssolidarität Borna diskutieren mit Georg-Ludwig von Breitenbuch (MdL,CDU) über die Personalschlüsseländerungen in Kitas

Autorinnen: Yvonne Pritz und Viola Heinig

Seit dem 01.09.2016 gilt der neue Betreuungsschlüssel für Erzieher im Kindergartenbereich von 1:12 in vollem Umfang. Was bedeutet das? Welche Auswirkungen hat der neue Schlüssel für die Kinderbetreuung in der Kita? Und – Genügt das perspektivisch für eine höhere Qualität in der pädagogischen Arbeit der Erzieherfachkräfte? Darüber sprachen am 22.09.2016 Yvonne Pritz, Leiterin der Kita „Sonnenschein“ Pegau, und Viola Heinig, Bereichsleiterin Kita der VOLKSSOLIDARITÄT KV Borna e.V., mit dem Mitglied des Landtages Georg-Ludwig von Breitenbuch (CDU) im Wahlkreisbüro der CDU in Borna.

Ausgehend von den angemeldeten Kindergartenkindern in den Kitas der VOLKSSOLIDARITÄT Kreisverband Borna e.V. hatten unsere Vertreter die zeitlichen Auswirkungen pro Kind und das insgesamte „Mehr“ an Betreuungspersonal gegenüber dem alten Personalschlüssel errechnet. Ergebnis:  pro Tag hat ein 9-Stunden-Kindergartenkind 3 min und 4,8 sek mehr individuelle Betreuungszeit als im September 2014.

Das heißt, der neue Betreuungsschlüssel bringt weder Erziehern noch Kindern mehr Qualität und Quantität in der pädagogischen Arbeit. In keiner unserer Kitas konnte mehr Personal zur Entlastung der pädagogischen Fachkräfte eingestellt werden. Ein Strohfeuer, was kurzzeitig für Beruhigung der Gemüter sorgte, ist verpufft!

Herr von Breitenbuch betonte den finanziellen Kraftakt des Freistaates Sachsen von bald 150 Mio €, um diese Personalschlüsselverbesserung zu stemmen, verwies aber deutlich auf die SPD, die diese Schlüsselverbesserung 2014 zur Bedingung für eine Koalition gemacht hatte. Er sieht heute die Zweifel der CDU bestätigt. Nur schrittweise können wirksame Veränderungen im Kita-Bereich erzielt werden. Am besten fallen die Entscheidungen nah am Kind. Dazu gehört das verantwortungsvolle enge Zusammenwirken des Freistaates mit den Kommunen, den Eltern, Erziehern und Kita-Trägern. Alle Beteiligten müssen ihren Beitrag zur Qualitätsentwicklung der Betreuung in den Kitas leisten.

Die Sorge des pädagogischen Fachpersonals und der Kita-Träger, den Sächsischen Bildungsplan bei unveränderten Rahmenbedingungen optimal umzusetzen, ist unverändert.

„Der Sächsische Bildungsplan ist ein hervorragendes Dokument zur Qualitätserhöhung in der frühkindlichen Entwicklung in den sächsischen Kitas, aber die Rahmenbedingungen passen nicht zum Bildungsplan“, betont Yvonne Pritz.

Georg-Ludwig von Breitenbuch sieht bei der Interpretation des Sächsischen Bildungsplanes Reserven in der Arbeit der staatlichen und kommunalen Behörden. Die Behörden müssten mehr Ermessen ausüben und die Umsetzung des Sächsischen Bildungsplanes nicht nur stur einfordern. Es gelte auch Qualität und Standards zu erhalten und den vorhandenen Rahmenbedingungen anzupassen. Hier sei eine kluge und ausgewogene fachliche und politische Diskussion erforderlich.

Wir als Kita-Träger sehen die leichte Verbesserung des Kita-Betreuungsschlüssels, die sich bis 2018 fortsetzt, nur als kleines Etappenziel innerhalb einer längerfristigen Aufgabe. Weitere Veränderungen müssen folgen. Insbesondere:

  • Berücksichtigung von mittelbarer pädagogischer Arbeitszeit für Dokumentation, Vor-und Nachbereitung, Konzeptionsentwicklung, Elternabende, Qualitätsmanagement usw.
  • Berücksichtigung von Fort- und Weiterbildung, Urlaub und Krankheit des pädagogischen Personals im Betreuungsschlüssel
  • Beschäftigung zusätzlichen Personals in Randzeiten ohne intensive pädagogische Arbeit zur Sicherung der Aufsichtsplicht (Früh- und Spätdienst)
  • Berücksichtigung längerer Öffnungszeiten im Betreuungsschlüssel zur Sicherung der pädagogischen Arbeit bei der Dienstplangestaltung
  • die Bemessungsgrundlage für den Betreuungsschlüssel und die Landeszuschüsse reduzieren und angleichen auf maximal 8 Stunden tägliche Arbeitszeit der pädagogischen Fachkräfte

Herr von Breitenbuch nahm unsere Überlegungspunkte interessiert auf und wird sie mit seinen Fraktionskollegen in Dresden diskutieren. Er wünscht sich weiterhin einen gemeinsamen aktuellen Informations- und Erfahrungsaustausch zur Gesamtproblematik Betreuungsqualität in Kitas. Das wünschen wir uns auch – Veränderungen müssen aber folgen.

Viola Heinig und Yvonne Pritz im Gespräch mit Georg-Ludwig von Breitenbuch (MdL, CDU)

Viola Heinig und Yvonne Pritz im Gespräch mit Georg-Ludwig von Breitenbuch (MdL, CDU)

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